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Wie alles anfing
Versuch Spagyrik zu patentieren
Kinderetiketten
Der erste Wettbewerber
Samoa
Die erste Palette
Tschernobyl und die Messe
Konfrontation mit dem Tierschutz
Erika's Mutterschutz
Die Farm in Utah
Ein Hauch von Hollywood
Photoshooting nummer 1
Photoshooting nummer 2
Bio-dynamischer Sommermarkt
Wie alles anfing
Es fing mit einem Hundebiss an. Ein ziemlich traumatisierendes Erlebnis für mich als fast Dreijährige. Als ich gebissen wurde, meine Mutter ging gerade auf die Bank und gab meinem Betteln nach draußen zu bleiben zu dürfen wo ein Hund angehängt war. Sie sagte noch ich solle nicht zu nahe an den Hund gehen und ich, kaum war meine Mutter am Bankschalter und drehet mir den Rücken zu, rannte auf den Hund zu und gab ihm eine kräftige Umarmung. Dieser biss kräftig zu – in meine linke Backe. Die halbe Backe hing herunter. und ich schrie wie am Spieß bis die Bankangestellten mit meiner Mutter vorne dran angerannt kamen. Ich kann mich ehrlichgesagt nicht mehr erinnern. Jedenfalls wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert und genäht. Später als ich auf meine Narbe angesprochen wurde, hatte ich immer steif und fest behauptet, dass ich von einem Doktor gebissen wurde. Mein Vater war so besorgt, dass meine Chancen zu heiraten erheblich gemindert wurden, so dass er ernsthaft erwägte meine Mitgift zu erhöhen. Nun das passierte nicht, aber der Tierhalter musste eine ordentliche Summe auf ein Sparkonto hinterlegen, falls eine Schönheitsoperation nötig werden würde und ich diese damit bezahlen kann. Mit 16 Jahren, die Nabe war immer noch gut sichtbar, erwägten meine Eltern diesen Schritt. Für mich kam das nicht in Frage und so schlossen wir einen Kompromiss und ich wurde zu meinem damaligen Kinderarzt geschickt der meine Narbe begutachten sollte. Er schrieb ein Rezept mit einer Salbe die einen hohen Anteil an natürlichem Wollwachs enthielt und die ich in der Apotheke mischen lassen musste. Diese massierte ich dann täglich zweimal auf meiner linken Backe ein. Nun das Abheilen der Narbe hat sich Zeit gelassen. Was jedoch erstaunlich war, dass , ich hatte wie viele pubertierende Teenager mit Akne, die Pusteln auf der linken Seite deutlich weniger waren als auf der rechten. Das motivierte mich dazu, der Rezeptur nachzugehen und mit Hilfe des Apothekers eine eigene Salbenrezeptur zusammenzustellen. Dies wurde meine erste Creme und unter meinen Freundinnen, und Freunden hatte ich bereits reißenden Absatz. Damals hieß sie die Thymian Hautcreme (was heute in fast unveränderter Form die Salbei Creme ist). Das war cirka1977/78. So wurde aus diesem schrecklichen Kindheitserlebnis letztlich der Start zu einer für mich sehr erfüllenden Tätigkeit. Und die Narbe? Ja die Narbe ging tatsächlich mit der Zeit weg (fast, wenn ich lache, sieht man dass ich auf der linken Seite zwei Grübchen habe und auf der Rechten nur eines, hahaha). Das Wollwachs wurde für mich eines der wertvollsten Inhaltsstoffe in meiner Kosmetik und macht die Rezepturen der meiner Cremes unverwechselbar. Auch heute ist das Wollwachs (oder das Lanolin) ein wichtiger Inhaltsstoff bei der Behandlung von Narben).
xVersuch Spagyrik zu patentieren
In meinem Bestreben, wie ich die Essenz aus einer Heilpflanze gewinnen könnte, ohne dass es zu Nebenwirkungen kommt hatte dazu unzählige interessante Experimente gemacht. Ich kann gar nicht mehr wirklich sagen wie ich darauf kam aber oft stand ich in der Früh auf und dann war die Idee plötzlich da. Nun über die Jahre Zeit kristallisierte sich ein besonderes Verfahren heraus Pflanzenextrakte herzustellen, durch Destillierten, Kalzinieren und Lösungen, so dass ich die wertvollen Pflanzensalze gewinnen konnte. Ich war richtig stolz auf meine „Erfindung“, denn die Wirksamkeit der Produkte erhöhte sich durch diese Extrakte enorm und die schädlichen Nebenwirkungen von hochpotenten Heilpflanzen fielen weg. So dachte ich mir dieses Verfahren sollte ich patentieren lassen. Zum Glück war dieses Patentierungsverfahren so überwältigend was die Kosten und den Aufwand an Zeit betraf, dass ich es immer weiter vor mir herschob. Eines Tages hatte ich Susanne Fischer Rizzi , die bekannte Aroma Therapeutin, die etwa zur selben Zeit wie ich meine Firma, die Firma Primavera mitbegründete, zu Besuch . Wir unterhielten uns über Heilpflanzen und Extrakte als sie mich ganz direkt fragte, was denn mein Geheimnis dieser besonderen Extrakte wäre. Da wir gut befreundet waren , hatte ich keine Scheu ihr mein Verfahren der Herstellung der Pflanzensalze zu erzählen. Sie lauschte mit großen Ohren und als ich fertig war, klatsche sie begeistert in die Hände und sagte : „Martina, das ist ja Spagyrik was du da machst!“ Ich war verblüfft und meine Augen wurden groß. „ Was?“ sagte ich, „Mein Verfahren gibt es schon und hat sogar einen Namen?“ Sie sagte , dass dies bereits vor mehr als 8000 Jahren im Nahen Osten erfunden wurde! Nun das war‘s dann mit einem eigenen Patent. Aber zumindest wusste ich jetzt wonach ich suchen musste um mein Wissen über die Spagyrik zu erweitern.
xKinderetiketten
Wir hatten bis 1989 Etiketten, die ganz simple auf Zweckform Adressetiketten aufgedruckt wurden. Allerdings hatten sie den Nachteil , dass sie nur in schwarz-weiß waren. Auf dem Etikett war dann nicht nur die Produktbezeichnung, sondern auch eine skizzierte Rose oder Salbeipflanze, je nachdem um welches Produkt es sich handelte. Irgendwann kam mein Nachbarin zu mir und machte den Vorschlag ob nicht ihre drei Kinder mit Buntstiften ein bisschen Farbe auf die Etiketten bringen können und die Blümchen ausmalen können, für ein bisschen Extra Taschengeld. Ich fand das Klasse. Nur bat ich sie, dies nicht an die große Glocke hängen, nicht dass ich noch wegen Kinderarbeit ins Gefängnis komme. So kamen die drei Stöpsel ab und an brachten die bemalten Bögen zurück und holten sich neue. Durch rapid steigende Umsätze erhöhte sich auch der Bedarf an Etiketten und ich wunderte mich mehr und mehr wie die Kinder überhaupt mit der Arbeit nachkamen. Eines Tages wollte ich ihnen eine Freude für ihren Fleiß machen und sagte dass ich sie auf ein Eis einlade wenn sie das nächste Mal die Etiketten brächten. Eine Woche später klingelte es an der Türe und als ich öffnete standen etwa 20 Kinder draußen und winkten mit den bemalten Etiketten. Mir fiel die Kinnlade herunter vor Staunen. Woher kamen die den alle? Zum Eis holen musste ich extra eine Mitarbeiterin in den nächsten Ort schicken um den Bedarf zu decken. Aber nachdem der Unterhandel der cleveren drei Stöpsel offensichtlich wurde, wurde mir doch etwas mulmig zumute und bald darauf gab es dann ordentliche in der Druckerei gedruckte Etiketten.
xDer erste Wettbewerber
Nicht lange nach meinen großen Messeerfolg nach Tschernobyl, musste ich mich um größere Produktionsräume umsehen und ich zog weiter südlich in den Landkreis Landsberg in Bayern. Dies war ein kleiner Ort mit vielleicht 700 Einwohnern. Stolz weihte ich dort meine erste maschinelle Einrichtung ein, eine Abfüllmaschine, und heuerte meine ersten richtigen Angestellten an. Es dauerte nicht lange und das Gewerbeamt meldete sich an um nach dem Rechten zu sehen. Nun der Beamte war zufrieden und auch recht gesprächig und erzählte mir dass im ganzen Landkreis die einzige Konkurrenz, die ich habe als Kosmetikhersteller, sich ausgerechnet in diesem kleinen Ort befindet. Auch eine Naturkosmetikfirma. Er erzählte der Inhaber hätte gerade ganz groß investiert. Kaum zu glauben, niemand im Ort wusste was davon etwas! Dachte ich mir. So war ich natürlich neugierig und bereitwillig ließ sich der Beamte von mir die Adresse und Telefonnummer meines Konkurrenten entlocken. Diese Firma befand sich unscheinbar in einer ehemaligen Bierlagerhalle am anderen Ende des Ortes. Ich rief dort an und bekam auch sofort eine Einladung zu einem Termin. Ich staunte nicht schlecht als mich in dem Büro, das sich in einem bescheidenen Reihenhaus neben der Bierhalle war, ein Inder mit Turban radebrechend in Deutsch mit Champagner empfing. „Du Gebhardt“ sagte er immer wieder, wenn er einen Satz anfing. Nun er zeigte mir seine Anlage und ich war schwer beindruckt, da standen hochprofessionelle niegel-nagel-neue Abfüllanlagen, eine nach der anderen aufgestellt in dieser Bierhalle. Die Glasfläschchen warteten in Reih und Glied darauf befüllt zu werden, alles schön sauber und perfekt. Aber niemand arbeitet dort. Ich fragte ihn wann denn dort gearbeitet wird und er sagte, sie würden etwa nur einmal in der Woche eine Produktion haben. Er hatte aus dem Himalaya eine Haarmittel Rezeptur mitgebracht – und wie ich sehen konnte, er nahm für mich extra seinen Turban ab, waren darunter Haare die ihm bis an die Knie reichten. In seinem Lager waren wirklich auch nur gute pflanzliche Rohstoffe aufbewahrt. Nun wir verbrachten einen netten Nachmittag und ich verabschiedete mich von meinem Gastgeber und wünschte ihm viel Glück. Eine Woche später rief er ganz aufgeregt an, dass er meine Hilfe bräuchte. Er hätte einen Auftrag und er wüsste nicht, wie seine Abfüll-Maschinen funktionieren und fragte an ob er nicht zu mir rüberkommen könnte um bei mir abzufüllen. Nun da ich ja nach dem Mond produzierte gab es immer wieder Tage wo nichts bei mir im Labor los war und da kam er dann höchstpersönlich in seinem Kaftan und Turban und füllte seine Haarwässer bei mir ab. Wir hatten wirklich viel Spaß miteinander: ich half ihm beim Abfüllen und er half mir ab und zu mit Rohstoffen aus wenn z.B. Olivenöl nicht rechtzeitig bei mir eintraf. Ein Inder als mein einziger Konkurrent im ganzen Landkreis in einem winzigen urbayrischen Bilderbuchort, wer hätte das gedacht!
xSamoa
Ich hatte im Zusammenhang mit meinem Bio-Wollwachs Projekt in Neuseeland auch ein kleines Anbauprojekt
in Samoa – eine Insel in der Südsee. Das rentierte sich nur, da es günstig als Zwischenstation
auf meinem Flug nach Neuseeland lag. Die Einheimischen machten aus Kokosöl eine natürliche
Mazeration (Wärmeauszug in der Sonne) von Blüten Kräutern und Wurzeln ein hervorragendes wunderbar
duftendes Öl. Ich war oft dabei und sah zu wie einfach und mit einer solchen Hingabe, dabei
oft singend sie dieses selber machten. Nach dem Pressen wurden die Pflanzenteile in Glasflaschen
gegeben und zum Reifen in den warmen Sand am Strand verbuddelt, damit der Extrakt langsam in
den Kokos Öl ausziehen konnte. So beschloss ich mit diesem Extrakt eine eigene Creme zu kreieren
mit dem Namen Samoa Creme. Ich hatte auf Samoa eine Kontaktadresse um Bestellungen abzugeben,
die vorauszubezahlen und diese auch von dieser Person verschicken zu lassen. Das lief auch sehr
gut an und für vielleicht zwei Jahre das Öl kam immer rechtzeitig an. Die Frauen, die dieses Öl für
mich machen durften waren so stolz und glücklich dass, wie ich das zweite Mal dort hinkam, ich mit
einem großem Fest empfangen wurde, wo zu meinen Ehren eigens ein Umu, (in der Erde wird über
Nacht mit Lavasteinen zusammen ein Schwein gegrillt) angesetzt wurde. Doch irgendwann kamen
keine Lieferungen mehr an. Ein halbes Jahr lang versuchte ich meine Kontaktperson zu erreichen,
nichts! Eines Abends um 22.30, ich war schon im Bett, klingelte es an der Türe Sturm (Ich hatte damals
meine Privatwohnung direkt über der Firma). Ich entschied mich aufzumachen und da stand ein
dunkelhäutiger großer Mann , furchteinflössend so mitten in der Nacht, so dass ich nahe dran war die
Türe schnell wieder zu zumachen, als ich sah, dass dahinter auf der Straße ein Taxi wartete. Der Mann
radebrechte in einem Mischmasch von kaum verständlichem Englisch , auf das Taxi deutend, dass
er eine Lieferung aus Samoa hat und fragte mich ob ich die deutsche Kosmetikfrau bin. Seine Frage
bejahend folgte ich ihm zum Taxi und der Fahrer machte den Kofferraum auf. Dort lagen ca 20 1-liter
CocaCola Flaschen aus Plastik, gefüllt mit dem wertvollen Blütenkokosöl.. Er erklärte mir, dass sein
Bruder, der meine Kontaktperson war, gestorben ist, und er selbst die Lieferung nicht wegschicken
konnte weil er nicht wusste wie man das macht. Da hat er im ganzen Dorf Geld gesammelt um zu mir
fliegen zu können um die Lieferung selber abgeben zu können. Ich hatte Tränen in den Augen. Das
Öl hatte war bereits vorausbezahlt aber ich wollte wenigstens mit an den „Lieferkosten“ beteiligen
aber er wollte partout dafür nichts annehmen, nicht einmal das Taxi das ihm vom Flughafen zu mir
brachte, eine Fahrt von 1 1/2 Stunden! Da er mit dem selben Taxi wieder zurückfuhr hatte ich auch
nicht die Gelegenheit die Gastfreundschaft die ich dort erfahren hatte zurückgeben zu können, denn
er flog bereits am nächsten Morgen zurück. Seitdem traute ich mich nicht mehr zu bestellen, da ich
befürchten musste, dass wegen ihrer Ehre das Dorf wahrscheinlich durch mich pleite machen würde.
Aber ich nahm bei meinem nächsten Besuch großzügige Geschenke mit. Die Samoa Creme musste
ich dann leider vom Markt nehmen.
Die erste Palette
1990 hatten wir den ersten Auftrag für eine andere Kosmetikfirma eine eigene Kosmetikserie zu entwickeln und herzustellen. Ein toller Auftrag für uns! Wir hatten einen Abholtermin von der Spedition, also mussten wir alles dran setzen auch pünktlich fertig zu sein. Dies war das erste Mal dass die Lieferung so groß war so dass wir die Produkte auf eine Palette packen mussten. Eine Palette hatten ich, aber wie man das macht dass die schachteln alle zusammenhielten wusste ich nicht. Wir hatten nur noch eine Stunde bevor die Palette abgeholt werden sollte was reichlich spät war um sich mit dem Problem des Zusammenschweißens einer Palette auseinanderzusetzen. Dazu kam, dass der Vorraum zur Produktion und zum Packlager noch nicht betoniert war und aus einfachem gestampftem Lehm bestand. Wir wussten auch nicht dass man so eine Palette nicht so hoch packen darf, so nahm denn die Katastrophe ihren Lauf. Der Hubwagen, der die Palette bewegen sollte, drückte sich mit den Rädern unter dem Gewicht der Palette tief in den Lehmboden und die Palette sich kaum bewegen. Die Spedition wartete schon ungeduldig auf der Straße. Wir schwitzen und fluchten bis endlich der Bauer von gegenüber kam und seine Hilfe anbot mit dem Frontlader das schwere Teil aus dem Vorraum zu heben. Dummerweise lag die Zufahrt an einer äußerst stark befahrenen Straße und dazu in einer unübersichtlichen Kurve. Als der Traktor drehte um die Palette auf die Ladefläche des LKWs zu heben fiel der ganze Turm von der äußerst mangelhaft verschweißten Palette um direkt auf die Straße. Die Glas-Flaschen, viereckig und damit sehr bruchempfindlich, brachen fast alle und zusammen mit den zerbrochenen Cremetöpfchen ergab dies eine gigantische Schmiererei auf dem heißen von der Sonne durchtränkten Straßenbelag. Ich weiß nicht mehr wie lange wir brauchten um diese zu entfernen und den Verkehr im Ort umzuleiten, aber das war uns eine Lehre und ich machte einen Kurs im Palettenpacken!
xTschernobyl und die Messe
Februar 1986 hatte ich eben mein Studium erfolgreich als Architektin abgeschlossen und musste mich nun entscheiden, ob ich nun weiter mit meiner Kosmetik Geld verdienen wollte oder nun brav wie es meine Eltern sich wünschten, mich um einen Job in einem Architekturbüro bemühen sollte. Ich würde sagen, das was das einzige Mal in meiner Laufbahn, wo ich mich mit einer Entscheidung schwertat. Auf der einen Seite hatte ich bereits über Jahre meine Kosmetiklinie erfolgreich aufgebaut, jedoch nur als Versand und ab und zu auf Weihnachts- oder Sommermärkten . Aber es machte mir viel Spaß, ich hatte begeisterte Kunden und besonders wichtig für mich : es war meine eigene Kreation. Zu einem Architekten in ein Büro zu gehen und dann nur die Ideen von Anderen auszuführen war deshalb nicht so attraktiv, allerdings gäbe es mir ein sicheres Einkommen und befriedigte auch das Sicherheitsbedürfnis meiner Eltern. Was tun? Um die Entscheidung mir leichter zu machen, dachte ich mir, ich sollte das mit der Kosmetik erst einmal ernsthaft ausprobieren und mich auf einer Messe anmelden um dort meine Produkte auszustellen. Wenn ich damit Erfolg haben sollte, dann sollte es die Kosmetik sein, wenn nicht, dann wird es die Architektur sein. Ich hatte wahrlich weiche Knie mich auf einer großen Messe anzumelden. Eine Gesundheitsmesse in München Ende April 1986. Ich beruhigte mich damit, dass wohl auch nicht so anders sein wird als eine dieser Weihnachtsmärkte und so kam mit meinem ausklappbaren Tapeziertisch an mit einem großen weißen Bettlaken darüber. In die Mitte stellte ich eine Vase mit frisch erblühten Apfelblütenzweige. Ein Traum von einem Strauß der diesen völlig unprofessionellen Stand unter all den auf Hochglanz gewienerten „Plastikbuden“ wie ich sie nannte, mehr als wettmachte. Immer wenn ich jetzt zurückdenke an diese Messe sehe ich diesen Strauß und habe das Gefühl dieser gab mir bereits im Vorfeld ein Zeichen, dass etwas ganz besonderes an diesem Stand zu diesem Zeitpunkt zum Blühen gebracht werden sollte. Nun kam es, dass etwa drei Tage zuvor der Fallout in Tschernobyl geschah und gerade wir in Bayern erfuhren, dass wir davon besonders stark davon betroffen waren. Schon während des Standaufbaues kamen immer wieder Durchsagen vom Veranstalter, dass die Aussteller, die Produkte die gegen Verstrahlung helfen führen, diese auf einer extra Insel im Eingang der Messe ausstellen können. Alle kamen sie angerannt und ich wunderte mich wirklich sehr was dort so alles zu finden war und bei radioaktiver Strahlung helfen sollte. Schnell war diese Ausstellungfläche gerappelt voll. Die Messe begann und ich hatte viele Besucher, hauptsächlich angezogen von diesen f magisch Blüten der Apfelzweigen. Darunter war auch eine Journalistin von der Zeitschrift Natur und wollte eigentlich nur an den Blüten schnuppern, doch dann blieb sie länger stehen und betrachte meine kleinen aufgereihten Tiegelchen. Sie frage mich, warum meine Ginseng Produkte nicht auf der Sonderausstellung für Verstrahlung zu finden sind und ich sagte ihr, dass ich nichts davon wüsste, dass Ginseng hilft. Da sagte sie mir, sie hätte das auch nicht gewusst, aber da waren einige Austeller die dort Ginsengtee angeboten haben und meinten dass dem so wäre. Nun ich drückte meine Zweifel über diese Sonderausstellung aus und wir fragten uns beide woher denn so plötzlich all dieses Wissen was gegen Radioaktivität hilft, denn diese Fallout war für uns ja was ganz Neues. Ihr gefiel anscheinend meine Ehrlichkeit, jedenfalls ließ sie sich mehr Zeit und ich erklärte ihr meine Produkte. Als wir zu dem Punkt kamen, dass ich keinerlei Konservierungsmittel verwende und nach dem Mond herstelle um die Haltbarkeit natürlich zu beeinflussen, hatte sie Feuer gefangen. Sie versprach mir sie käme mich für ein ausführliches Interview besuchen, um einen Artikel über die Schädlichkeit von Konservierungsmitteln in der Kosmetik zu schreiben. Und in der Tat nach der Messe kam sie und hatte sogar die Auftrag einen groß anberaumten Test von ca 20 weiteren, eher konventionellen, aber sehr bekannten Marken zu machen und sie auf Konservierungsmittel zu testen. Das Testergebnis fiel überwältigend gut für mich aus und sie schrieb einen ausführlichen Teil über meine Kosmetikherstellung. Nach Veröffentlichung des Artikels im Sommer 86 kam eine Flut von Anfragen von Geschäften, vor allem von den damals aus den Boden schießenden Naturkostläden auf mich zu und wollten meine Produkte bestellen. Die Entscheidung ob ich Kosmetik oder Architektur machen werde war somit getroffen. Aber ich konnte mir dann ein eigenes Architekturbüro leisten und brauchte nur die Aufträge anzunehmen die mir wirklich Spaß machten – wenn ich Zeit dazu hatte.
xKonfrontation mit dem Tierschutz
Als Hersteller von Kosmetika gegen Tierversuche und die Verwendung von Rohstoffe vom toten Tiere war ich eines der ersten Mitglieder im Tierschutzbund. Damals gab es den IHTK noch nicht und der deutsche Tierschutzbund übernahm die vertragliche Seite. Werbewirksam hatte ich dies auch Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger auf allen meinen Broschüren entsprechend ausgewiesen. Nun hatte ich damals nicht nur Kosmetika im Programm, sondern auch alles mögliche an Assessoirs , angefangen von Haarbürsten über Kosmetikspiegel und Badeschwämmen, natürlich alles aus Obstgehölzen gefertigt oder von Naturschwämmen.. Da rief mich eines tages ganz erbost eine Kundin an und war uns Vertragsbruch mit den Richtlinien des Tierschutzbunden vor. Vehement verteidigte ich mich dass ich in diesem Thema 150%ig bin und wie sie es wagen könne, so etwas zu behaupten. Wir würden natürliche Badeschwämme aus dem Meer verkaufen sagte sie aufgebracht. „Na das ist doch gut“ und sagte ich, und verstand überhaupt nicht was ihr Problem sei. Das seien Tiere, schrie sie ins Telefon. „Niemals“ entgegnete ich, und sagte ihr, da hätte ihr jemand einen Bären aufgebunden, denn Tiere bewegen sich frei und Schwämme sind am Meeresboden angewachsen, wie andere Pflanzen auch und gehören daher zu den Pflanzen. Sie erklärte mich für dumm, ich erklärte sie für dumm und am Ende hängte ich ein. Allerdings mich juckte es doch ihren Behauptungen nachzugehen und kleinlaut musste ich zugeben dass Schwämme Tiere sind. Ich schrieb ihr einen versöhnlichen Brief….. die Kunden ist noch heute unsere Kundin. Aber dies war das Ende unseres Trockensortimentes
xErika's Mutterschutz
Anfang der Neunziger, wir waren gerade in unsere neuen Räumlichkeiten nach Rott-Pessenhausen umgezogen, hatte ich Erika, die mir schon Jahre vorher in der Herstellung angestellt war, die Position als Produktionsleitung angeboten. Sie war die perfekte Mitarbeiterin. Nie krank, immer zuverlässig, supergenau, immer beliebt im Laborteam und hielt den schlimmsten Stress aus, ohne dass man es ihr ansah. Endlich konnte ich auch mal wegfahren und wusste dass alles Bestens lief. Auch nach vier Jahren zusätzlicher Belastung als Baubetreuung in meiner Funktion als Architektin und Bauhelferin am Umbau meines über 800 Jahre alten Bauernhofes war der Zeitpunkt gekommen mal auszuatmen. Man konnte es sich fast denken, ideal um schwanger zu werden. Nachdem das Ergebnis feststand, nahm ich mir für 4 Monate eine „Auszeit“ um noch einmal all meine Rohstoff Projekte weltweit zu besuchen, denn mit Baby oder Kleinkind wollte ich uns solche anstrengenden Reisen nicht zumuten. Kurz vor meiner Abreise, ich war Ende des dritten Monates, gestand ich meinen Mitarbeitern meine Schwangerschaft. Die Freude war groß, und alle fanden, dass dies der bestmögliche Zeitpunkt war, oder besser gesagt auch höchste Zeit, da ich bereits 36 war. Nur Erika schaute bei dieser Botschaft etwas blass und betreten aus. Ich fragte was los ist, da gestand, sie dass sie auch schwanger ist und im zweiten Monat sei. Nun, sie solle sich keine Sorgen machen, das machen wir doch mit links! Dachte ich. Genau einen Tag nachdem Erika in den gesetzlichen Mutterschutz ging wurde mein Sohn per Kaiserschnitt geboren. Eine Woche lang war ich im Krankenhaus- Die Produktion stand still. Und sie stand noch eine zweite Woche still, denn ich konnte gar nicht daran denken zu laufen. Als die dritte Woche anbrach und wir kaum mehr Ware auf Lager hatten, schleppte ich mit allem möglichen Stützen um meinen Bauch gewickelt ins Labor, meinen Sohn im Kinderwagen vor der Labortüre abgestellt. Früher hatte mich immer über diese Arbeitgeber unfreundlichen Maßnahmen des Mutterschutzes mokiert gehabt und jetzt durfte ich es am eigenem Leibe erfahren----naja so geht’s, wenn man der Chef ist dann steht man auch mal frischoperiert im Labor, - uuuhhh, das war heftig! Ich dachte wohl wie gut mir ein Mutterschutz getan hätte und meinem Sohn. Zum Glück, Erika hatte keinen Kaiserschnitt und als motivierte Mitarbeiterin stand sie bald wieder im Labor. Diese Geschichte erzähle ich immer gerne, wenn ein Mitarbeiter jammert.
xDie Farm in Utah
Der Vater meines Sohnes besaß in den USA sozusagen im "Wilden Westen" ein Haus und wir verbrachten einmal im Jahr unseren Urlaub dort. Hoch in den Bergen gelegen war dies ein idealer Platz für Heilpflanzenanbau. Da Heilpflanzen aus Bio-Anbau noch schwer zu beziehen waren, beschloss ich
eine benachbarte Farm zu erwerben. Es war eine hopplahopp Entscheidung aus dem Bauchgefühl
heraus. Später fragte ich mich immer wieder, wie verrückt musste ich sein in Utah bei den Mormonen,
von verwegenen Cowboys umgeben, eine Farm zu operieren. Das meiste der 50 Hektar ist
Weideland und man macht dort in Cattle, (also Kuhherden, die Kälber mit Brandeisen markiert und
die Kühe mit Lasso vom Pferd aus eingefangen – so wie man es halt aus einem guten alten Western
kennt). Kräuteranbau, dazu Bio-Anbau, war unerhört und ich wurde von Anfang an ausgelacht. Aber
die Mormonen und Cowboys sind nette Menschen und gaben mir Nachhilfe. So hörte ich zumindest
auf ihren Rat die Weide, ursprünglich war das alles Wüstensand, als Kuhweide und Pferdewiese zu
lassen und nicht für Kräuter umzupflügen, da sonst der schiere Sand zum Vorschein käme und dann
gar nichts wachsen würde. Ich sah das ein. Also wurde ich auf meiner Farm eher widerwillig zum
Kuhhirten und nur untergeordnet an den Rändern der Weide zum Kräuteranbauer. Da ich Biozertifiziert
war, waren dann natürlich auch die Kühe zertifiziert- biologische Kühe, zum Gelächter meiner
Nachbarn. Ich hatte noch nie eine Kuhherde, aber es fällt mir schwer einfach das Selbe zu machen
was die anderen auch tun. So machte ich „Alles Anders Als die Anderen“ (die vier A‘s bei dem man,
gemäß der Marketingstrategen, alles richtig macht.) Ich ließ meinen Kühen die Hörner wachsen und
dann ließ ich den Bullen mit den Kühen zusammen auf der Weide. Außerdem impfte ich sie nicht und
noch dazu mischte ich meine Herfurt Kühe mit einem Angus Bullen. Voll daneben, nach Ansicht der
Cowboys Oldtimers. Aber ich war richtig stolz auf meinen Bullen und man konnte spüren, der Bulle
war richtig stolz auf seine etwa 20 köpfigen Harem. Es war eine nette kleine Herde mit ca 40 Kühen
und Jungrindern. Einmal im Jahr wurden die Kühe zusammengetrieben und die Jungtiere zur Auktion
gebracht, zusammengepfercht in einen großen Korall. Das war der Platz wo die coolen Cowboys mit
einer Bierdose in der Hand auf den hölzernen Abgrenzungen saßen und über ihre schönsten Rinder
prahlten. Und wer wohl den besten Preis bekäme. Nun in Deutschland hat man einen Spruch den die
da drüben wohl nicht kannten: „die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln“. Und getreu
dieses Gesetzes gewann ich. „Meine Herrn “ kann ich da nur sagen, da war was los. Doch Cowboys
können auch Gentlemen sein und wir hatten sehr bald eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit und
Nachbarschaft. Das war 1998. Ich machte jedoch kaum einen Pfennig mit meinen Kühen, da es damals
einfach noch keinen Markt gab für Biofleisch. Ich bemühte mich allerdings auch nicht sonderlich,
denn eigentlich brauchte ich die Herde ja nur damit die Weide nicht verstraucht und ich den Dung für
den nun zunehmend größer werdenden Kräuteranbau verwenden konnte.
Dann drehte sich das Blatt als 2001 der Rinderwahnsinn auch in den USA festgestellt wurde. Binnen
weniger Monate wollten alle nur Bio-Fleisch kaufen und ich konnte meine Kühe zum vierfachen Preis
verkaufen. Ab da hatte ich die benachbarten Rancher regelmäßig zu Besuch die nun lernen wollten
wie man auf Bio macht. Seitdem ist Bio auch in Utah etabliert. Allerdings mit den Kräuteranbau hatte
ich weniger Glück. Der sandige Boden hat sich langfristig nicht so gut wie ich anfangs dachte, geeignet,
bis auf die bereits dort schon wachsenden einheimischen und bereits von den Indianern sehr geschätzten
Heilpflanzen. So disponierte ich um und erntete nur solche Kräuter. Daraus entsprang dann
die Herrenserie Wild Utah welche immer noch mein persönliches Lieblingsprodukt ist - auch wenn
ich es eigentlich für die Männerhaut entwickelt habe.
Ein Hauch von Hollywood
Ich glaube es war Frühjahr 2003. Ich saß gerade zusammen mit zwei deutschen Freundinnen auf meiner Farm in Utah, als das Telefon klingelte. Es war eine Mitarbeiterin meiner Firma. Sie war ganz aufgeregt und schrie fast ins Telefon. Zuerst verstand ich gar nichts, aber, auf das Schlimmste gefasst bat ich sie nochmal von vorne zu beginnen und ganz langsam zu reden. Sie sagte nur eines fast buchstabierend: „Nicole Kidman benutzt meine Kosmetik“ . Ich fragte fast verärgert: „wer ist Nicole Kidman?“. Ein ohrenbetäubendes Gekreische kam nun von der Sofaecke, wo meine Freundinnen mit mir saßen, so dass ich mir das freie Ohr zuhalten musste, dann dazu meine Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung meine Mitarbeiterin, alle im Chor: „ waaaaaas, du weißt nicht wer Nicole Kidman ist? Ich saß da wie ein begossener Pudel und musste mich belehren lassen. Ich gebe zu ich war nie besonders fit was Schauspieler angeht. Außer Julia Roberts - einer meiner Lieblingsfilme ist Pretty Woman -, und Richard Gere kannte ich kaum jemanden. Nun ich ließ es mir erklären und ich führ dann anschliessend gleich in die nächste Stadt wo man Videos kaufen konnte und besorgte mir die Filme wo sie eine Rolle hatte. Meine Mitarbeiterin erzählte dass diese Nachricht durch eine Mitteiling in einem Frauenmagazin an sie herangetragen wurde und wo auch das Kameliensamenöl aufgeführt wurde das sie benutzte. Leider durften wir das nie werblich ausschlachten, ein Werbevertrag mit ihr wäre schlichtweg unerschwinglich gewesen. Das einzige was wir durften, war, dass wir das Magazin, mit der entsprechenden Seite unseren Kunden zeigen konnten. Darauf hin kauften wir die gesamten Lagerbestände dieser Ausgabe auf.
xPhotoshooting nummer 1
Mein Sohn ging inzwischen in Utah in die Volksschule und ich war dadurch gezwungen mich nun
auch langfristiger dort aufzuhalten. Das Gute war, er wuchs dort zweisprachig auf und – was mir viel
wichtiger war – er wuchs auf einer Farm auf. Der Tierbestand hatte sich zwischenzeitlich auf Pferde,
Ziegen Hühner, Lamas, Esel und ein Schwein erweitert. Und was für ein Schwein! Ein Schwein, das
glaubte ein Pferd zu sein immer mit den Pferden auf der Eider umhertrabte. Mein Sohn Michael und
das Schwein wurden enge Freunde. Scratchy, so hieß das Schwein, begleitete Michael jeden Morgen
zur Schulbushaltestelle. Dann trabte es nach Hause, lief wieder bei den Pferden mit um später pünktlich
wenn Michael von der Schule zurückkam, ihn von der Haltestelle wieder abzuholen. Michael trainierte
das Schwein und gewöhnte es an einen kleinen Ponysattel wo er darauf reiten konnte. Dann
kam sein Geburtstag und wir hatten die Kinder aus dem Ort eingeladen. Michael wollte sein Schwein
vorführen mit ihm als Reiter drauf. Das war der Renner, oder besser gesagt die Rennsau wurde zum
Renner. Alle wollten sie darauf reiten und stritten sich darum wer als nächstes drauf durfte. Die Mütter
die beim Geburtstagsfest mit dabei waren hatten schon die Kameras gezückt, die Videos surrten
und die hübschen in weissen Mormomenkleidchen angezogenen Mädchen, wollten den Jungs keinesfalls
im Schweinereiten nachstehen. Bald war jedoch Scratchy das Photoshooting leid und als gleich
zwei Mädchen sich auf seinen Rücken schwangen, rannte Scratchy los mitten in die Suhle hinein, eine
lehmig Pfütze die wir extra für den Sonnenschutz für die empfindliche, rosige Schweinhaut angelegt
hatten und schmiss sich mitsamt den so schön weiß gekleideten in den Schlamm. Das war die erste
„Black Mud – Gesichtspackung die die zwei Mädchen über sich ergehen lassen mußten.
Photoshooting nummer 2
Eine bekannte Frauenzeitschrift hatte einen langen Artikel über mich geschrieben, den ich zur Freigabe
per e-mail in die USA geschickt bekam. Leider war ich gar nicht mit dem Foto zufrieden und so bot
ich an, Bilder von mir hier auf der Farm zu machen uni Kuhweide zu machen, wo auch alle anderen
Tiere waren. Mein Freund war professioneller Fotograf, also das passte auch für die Redakteurin. Es
war allerdings brandeilig und das Bild musste bereits am nächsten Morgen bei der Redaktion vorliegen.
Nun wir gaben unser Bestes, ich hampelte in allen möglichen Posen auf meiner Weide herum.
Als plötzlich die Esel sich zu uns gesellten. Sie sind immer sehr neugierig und außerdem glaubten sie,
ich hätte Zuckerstückchen dabei. Hatte ich nicht. Nun alberte ich etwas zur Abwechslung mit den
Eseln herum. Mein Freund schoss fleißig weitere Bilder, die aber fürs Familienalbum gedacht waren.
Als wir fertig waren, musste ich nun all das Material sichten und ein Bild auswählen – was tierisch viel
war denn das waren an die 1000 Bilder.. Uff. Da das Material nur mit Kennnummern versehen war,
schrieb ich mir diese Nummern auf für die engere Auswahl. Dann lud diese Bilder nochmal zur Ansicht
auf dem Computer und traf meine Entscheidung. Es sah perfekt aus: Ich dynamisch, jung und
alles wie man sich halt gerne so abgebildet sehen möchte in einem Frauenmagazin. Ich notierte die
Kennnummer des ausgewählten Bildes und klickte diese auf meiner e-mail als Anhang an und schon
war das Bild rechtzeitig bei der Redaktion. Einen Monat später kam ich nach Deutschland zurück. Die
Ausgabe mit dem Artikel mit mir war gerade als Belegexemplar zu mir auf den Schreibtisch geflattert.
Aufgeregt und voller Vorfreude schlug ich den Artikel auf, da kam – oh Schreck – fast ganzseitig
mein Konterfei abgebildet mit meinem Esel wir beide uns anbleckend! Zu spät, die Katastrophe
war da. Ich hatte das Bild verwechselt gehabt, ahnungslos. Und keiner sagte was! Ich rief sofort die
Redaktion an und beschwerte mich. Die Antwort verblüffte mich. Sie sagten, sie fanden das einer der
besten Bilder, die sie je hatten. Sowas hatten sie noch nie und sie gratulierten mir zu meinem Mut.
Außerdem, meinte sie, käme der Esel absolut natürlich rüber, sie hätte nie gedacht dass dieses Bild ein
Versehen sein könnte! Seit dem klicke ich jeden Anhang in einer e-mail nochmal an, um zu checken
ob dies auch wirklich der Anhang ist, den ich wegschicken möchte, besonders wenn dieser nur Kennzahlen
tragen.
Bio-dynamischer Sommermarkt
Ich glaube es war 1983, als ich tatkräftig mit meiner Expertise als angehende Architektin in einem Waldorfkindergarten half das Dach auszubauen. Das Projekt war extrem zeitkonsumierend und ich hatte nur die Semesterferien um dieses fertigzustellen. Nun, Waldorfschulen und -Kindergärten leben von Spenden und Mithilfe der Eltern und diese war rar. Ich hatte kein Kind und außer ein bisschen Freizeit hatte ich nichts zu spenden. Aber ich war über beide Ohren in eines der Mitglieder verliebt, also strengte ich mich an, dort etwas Ordentliches zu bauen. Dann war das Semester vorbei und ich musste unter der Woche wieder in die Uni, so blieben für die Umbauten nur die Wochenenden. Wegen Spendenmangels hatte ich mich in meinem Eifer sogar dazu überreden lassen, auch noch die Fenster selber zu bauen, bei einem Schreiner der ebenso anthroposophisch orientiert war und mithalf. Diese Fenster wurden ausgerechnet an einem Wochenende zum Einbauen geliefert, an dem ein bio-dynamischer Erntedankfest-Markt stattfand und ich als Aussteller für meine Kosmetik teilnahm. So musste ich in meinem schönsten Sommerkleid immer wieder meinen Stand verlassen und beim Einbau der Fenster behilflich sein.
Ich hatte damals auch eine Zimt-Karotten Creme, die in großen irdenen Gefäßen aufbewahrt wurde. Als ich gerade mal wieder vom Fenstereinsetzen an den Stand zurückkam, war da eine Mutter mit ihrem Kleinkind, hatte ihren Finger voll mit Zimt-Karotten Creme und ließ ihr Kind daran schlecken. Sie dachte meine Kosmetik sei Babykost. Nachdem aber alle Inhaltsstoffe meiner Kosmetik essbar waren (und heute noch sind), konnte ich die Mutter nach dem ersten Schrecken wieder beruhigen.
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